
Die Maifliegenzeit ist für viele Brandenburger Fliegenfischer der Höhepunkt der Forellensaison. In diesem Zeitraum werden wohl die meisten und die größten Forellen gefangen. Zudem ist in diesem kurzen Zeitraum der Zugang an viele Forellenbäche noch gut möglich, während in den Sommermonaten die Verkrautung vieler Gewässerabschnitte in erfolgreiches Angeln stark behindert.
Der letzte Winter mit einer langen Eisbedeckung aller stehenden Gewässer und der meisten langsam fließenden Fließgewässer dämpfte meine Vorfreude, denn die Erfahrungen aus dem letzten Eiswinter 2005/2006 waren noch nicht vergessen. Die einzigen eisfreien Gewässer waren im letzten Winter für einen langen Zeitraum die kleinen natürlichen und naturnahen Fließgewässer, von denen einige als Salmonidengewässer vom LAVB bewirtschaftet werden. Diese Gewässer bildeten die einzige Möglichkeit für alle fischfressenden Räuber über den langen strengen Winter zu kommen. Schon im Dezember wurden massenhaft Kormorane an vielen Fließgewässern gesichtet. Angelfreunde berichteten mir von Beobachtungen an der Nieplitz, der Alten Oder, dem Rhinkanal, der Nuthe, der Spree und natürlich auch von der Dosse. Mein Verein ist betreuender Verein für die Salmonidenstrecke der Dosse, von der Brücke Heinrichsdorf bis zur Baumannsbrücke, immer hin ein ca. 10 km langer Abschnitt. Der Bach fließt in diesem Bereich durch 3 Ortschaften und ist zum überwiegenden Teil begradigt aber trotzdem in vielen Abschnitten schon wieder als „naturnah“ zu bezeichnen. Der Fischbestand setzt sich aus Gründlingen, Schmerlen, Elritzen, Haseln, Plötzen, Hecht, Bachforellen und Äschen zusammen. Davon ist die Bachforelle die Art, die am meisten anglerisch genutzt wird. Der Äschenbestand könnte sich nach dem Kormoranwinter 2005/2006 nicht wieder richtig erholen. Die Gewässer der Prignitz haben sich selbst reproduzierende Forellenbestände oder werden mit Bachforellen aus eigener Aufzucht aufwändig besetzt.
Meine Erwartungen gegenüber die Maifliegensaison 2009 waren sehr gedämpft, trotz der bescheidenen Vergrämungsmaßnahmen die wir organisieren konnten. Immerhin wurden durch befreundete Jäger 15-20 nachweisliche Abschüsse vom Kormoranen gemeldet! Trotzdem ähnelt die Situation der des Jahres 2006, es fehlen fast alle Bachforellen zwischen 20 und 35 cm. Ich schätze den Ausfall auf mindestens 80 %. Gerade diese Fische machen einen großen Teil der Fänge durch Angler aus. Viele Abschnitte, auch in Ortslagen, wirkten fischleer und an Tagen mit sehr gutem Maifliegenaufkommen waren keine steigenden Bachforellen zu beobachten (ein gutes Indiz um einen Bestand einschätzen zu können, wenn Erfahrungen aus den Vorjahren vorliegen). Eine Befischung mit dem E-Gerät erbrachte das gleiche Ergebnis.
Einige schöne Fische konnte ich trotzdem landen aber diese musste ich mir hart erarbeiten, viele Kilometer am Gewässer pirschen um einen guten steigenden Fisch auszumachen und anwerfen zu können. Bei meinen Vereinskameraden sah es sehr ähnlich aus, viele Bachkilometer und wenige, dann aber gute Fische. Petri Heil wünscht euch Mario Mücke. Fotos: Mario Mücke, Foto 6: D. Wattenbach
Ein zweiter oder gar dritter Winter wie der Letzte würde die wilden Bachforellenbestände Brandenburgs vollständig ruinieren oder gar auslöschen. Was wollen wir dagegen tun? Was habt Ihr erlebt an den Forellenbächen Brandenburgs? Petri Heil wünscht euch Mario Mücke. Fotos: Mario Mücke, Foto Nr. 6: D. Wattenbach