...folgende Mail erreichte mich gestern.
hallo mario!
ich bin es mal wieder. wir hatten uns schon mal unterhalten über deinen alandbericht. zunächst wollte ich mal fragen wie es bei euch an der dosse mit den kormoranen diesen winter aussah? im februar war ich mal nach hamburg unterwegs und habe einige im bereich der autobahn fliegen sehen. bei mir an der nieplitz, wo ich schon jahre lang fische, ist es so schlimm wie noch nie zuvor. ich habe bisher noch nicht einen einzigen aland sehen können. vor ca. 8 jahren, wo dieses problem noch nicht so gravierend war, konnte ich jahr für jahr mehrere schwärme von 20-30 alanden ausmachen. und nun ist nicht mal mehr ein fisch zu beobachten. die kormorane haben diesen winter einfach wieder gewütet, das es einem das herz blutet. was kann man tun? setzt sich fario.ev für ein kormoranmanagement ein? oder weißt du von bemühungen, dass der lavb sich dafür stark macht, die fließgewässer zu schützen? die salmoniedengewässer dürften doch nach diesem winter auch wieder erheblichen schaden davon getragen haben, oder? wie soll das nur weiter gehen? mein hausgewässer ist schon praktisch fischlehr. letztes jahr konnte ich im märz noch 2 alande fangen. diese jahr noch nicht einen. nicht mal einen biss. naja und wie schon gesagt, es ist nichtmal möglich auch nur ein fisch auszumachen. muß man sich damit abfinden und dem schönen hobby fliegenfischen in brandenburg bald ade sagen? oder was kann man tun? naja wie du merkstm, bin ich mal wieder einfach nur fertig mit den nerven, weil unsere kleinen sensiblen fließgewässer den starken fraßdruck der kormorane im winter einfach nicht mehr stand halten. vielleicht hast du ja ein paar aufmunternde worte für mich. ich wäre dir sehr dankbar dafür, denn ich weiß echt nicht mehr was ich tun soll.
viele grüße mario :´-(
Meine Antwort...

Hallo Mario,
schön, von Dir mal wieder ein paar Zeilen zu lesen und zu wissen, dass sich auch andere Fliegenfischer Gedanken um unsere Gewässer machen.
Zu diesem Thema findest Du einige Zeilen auf unserer Website:
http://www.farioev.de/harte_arbeit/harte_arbeit.html links oben das erste Bild anklicken.
Ich denke es wird an allen kleinen Bächen/Flüssen und Kanälen in Brandenburg so aussehen wie du es an der Nieplitz beobachtet hast. Diese Gewässer frieren erst sehr spät zu oder bleiben auch bei starkem Frost offen. Die Begängnis durch Spaziergänger und Angler ist in den Wintermonaten an diesen Gewässerstrecken sehr, sehr gering und die Räuber können unbeobachtet ihrem Tagwerk nachgehen.
Unsere kleinen Gewässer bieten dann den Fischfressern die einzige Möglichkeit an Futter heran zu kommen. Aber nicht nur Kormorane fressen Fische auch Otter, Eisvogel und Reiher bedienen sie an o.g. Gewässern. An einem Aufzuchtbach aus dem Dossesystem haben wir vor 14 Tagen Bachforellensetzlinge abgefischt. Wir hatten ganze 320 1-jährige Bachforellen auf einer Strecke die in schlechten Jahren 900 und in guten Jahren 1500 ernährte und zu feisten kleinen Fischen abwachsen ließ. An diesem Bach ist es für Kormorane bei einer Wassertiefe von 20-50 cm kaum möglich zu jagen. Otterkot haben wir reichlich gefunden und die Reste dreier Reiherleichen. Die extremen Wetterlagen werden ebenso erhebliche Schäden verursacht haben.
Otter, Eisvogel und Reiher sind an allen Gewässern vorhanden und entnehmen in strengen Wintern nicht mehr Fische als auch in normalen Frostperioden aber der massive Kormoraneinfall zerstört die letzten halbwegs intakten Fischgemeinschaften unverhältnismäßig stark. Nach meinen Beobachtungen erholen sich die Bestände bei halbwegs naturnahen Flussläufen relativ schnell aber ich will mir nicht vorstellen wie es um unsere Fischbestände aussieht wenn wir zwei oder gar drei sehr strenge Winter hinter einander haben.
Wie können wir unsere Gewässer schützen? Ich denke, dass die Bejagung, wo sie gestattet ist, eine Möglichkeit des Schutzes ist. An längeren Gewässerabschnitten löst sie die Problematik jedoch auch nur mangelhaft. Alle anderen Möglichkeiten der Vergrämung (Lärm, überspannen des Gewässers mit Schnur) wirken nur kurzzeitig oder sind nur mit erheblichen Aufwand umzusetzen. An ein europaweites Kormoranmanagement wird man nicht herum kommen.
Was kannst du tun? Schließe dich mit anderen interessierten Anglern zusammen und überlegt gemeinsam wie ihr das Problem angehen könnt. Schlagt bei den Angel-Funktionären Alarm, schreibt Briefe und geht oft gerade im Winter an empfindliche Gewässer.
Gebt nicht auf!
Petri Heil Mario Mücke
Wie denkt IHR darüber? Hat es auch DEIN Lieblingsgewässer erwischt?