
Lange Zeit waren Kormorane in Brandenburg fast ausschließlich an größeren Gewässern anzutreffen. Das enorme Wachstum der Population hat aber dazu geführt, dass die Vögel in den letzten Jahren auch immer mehr zu einem Problem für die Fischbestände in kleinen und mittelgroßen Fließgewässern wurden. Im Winter, wenn die Seen, Kanäle und stauregulierten größeren Flüsse mit Eis bedeckt sind, befliegen die schwarzen Vögel, von denen jeder täglich 400 g Fisch als Nahrung benötigt, die kleinen Flüsse und Niederungsbäche. Entgegen einer früher verbreiteten Auffassung meiden sie dabei naturnahe Fließgewässer keineswegs, sondern fallen durchaus auch in mäandrierende, beidseitig gehölzbestandene, totholzreiche Bäche ein, wenn sie der Hunger dazu zwingt.
Unser Verein betreut zwei Teilstrecken der Dosse, die zuletzt im Eiswinter 2005/06 einen massiven Kormoraneinfall erlitten hatten. Im darauffolgenden Frühjahr konnte bei den Elektrobefischungen für die Wasserrahmenrichtlinie streckenweise nicht einmal mehr ein Gründling nachgewiesen werden, die es vordem zu Hunderten gab. So war denn auch die Maifliegenzeit 2006 für alle, die sie am Gewässer erlebten, sehr ernüchternd. In den milden Wintern 2006/07 und 2007/08 traten die schwarzen Vögel glücklicher Weise weniger in Erscheinung, so dass sich der Forellenbestand erholen konnte. Leider kamen wir in diesem Winter nicht so glimpflich davon. Zum Jahreswechsel setzte Frost ein und schon wenige Tage später wurden die ersten Kormorane an der Dosse gesichtet. Jetzt musste gehandelt werden! Die wirksamste und wirtschaftlichste Methode der Kormoranvergrämung ist der Abschuss. Zwar kann man damit die Gesamtpopulation nicht nennenswert reduzieren, aber es hat sich gezeigt, dass die Vögel Gewässer, an denen sie regelmäßig beschossen werden, meiden. In Abstimmung mit dem Landesanglerverband und unserem Kreisanglerverband OPR, Region Wittstock, haben wir Jagdpächter und Revierförster entlang der Dosse angesprochen und um Hilfe gebeten. Außerdem hat der Landesanglerverband die durch die Brandenburgische Kormoranverordnung gegebene Möglichkeit genutzt und weitere Jagdscheininhaber, darunter auch zwei Mitglieder unseres Vereins, mit dem Abschuss von Kormoranen beauftragt.
Unser herzlicher Dank gilt Jürgen, Fabian und Alex sowie allen anderen Angelfreunden, die die Schützen bei ihren Streifengängen begleiten und unterstützen!
Wir fordern, dass die EU bald geeignete Schritte unternimmt, um die Kormoranpopulation europaweit auf ein für die Kulturlandschaft verträgliches Maß zu reduzieren. Dabei wird man auf Eingriffe in die Brutkolonien nicht verzichten können. Gleichzeitig stehen wir als Angler und Naturschützer auf dem Standpunkt, dass der Kormoran jetzt und auch in Zukunft einen Platz unter den heimischen Wildtieren hat.
Vorstand des Fario e.V.
Foto: Fario e.V.